Zürichsee-Zeitung      25.8.2001

Kunsthandwerk, meisterhaft

Theater Spektakel: «Density» heisst das Stück, mit dem die türkische Choreografin Aydin Teker in der Roten Fabrik gastiert. Doch es ist weniger die Dichte als die Transparenz, die ihre Arbeit auszeichnet.

Von Ursula Pellaton

Auch wenn Teker ihr zunächst banales Bewegungsmaterial aussergewöhnlich kunstvoll und einfallsreich entfaltet, bleibt ihrVerfahren doch jederzeit sofort klar und nachvollziehbar, meist sogar vorhersehbar. Sie breitet das Bewegungsgeschehen einfach aus, komprimiert es weder zeitlich noch räumlich.

Aydin Teker bewegt sich in der Tradition der Minimal Art und hat es in dieser Kunst, die auch im Tanz seit einigen Jahrzehnten erfolgreich praktiziert wird, zu grosser Virtuosität gebracht. «Density» ist eine Folge von Bewegungs-Etüden, die jede zunächst vormacht, wie aus ganz wenig viel gemacht werden kann. Ausgegangen wird von simplen Vorgabenvon alltäglichem Verhalten wie Kopfneigen und Augenrollen oder einer praktischen Tätigkeit wie Einfädeln, von anatomisch Auffälligem wie ei-nem starr einwärts angewickelten Fuss oder Nackenstarre, von bewegungsmässigen Einschränkungen etwa auf eine durchgehende Schräglage, die Fortbewegung durch kleine Hüpfer mit paralleler Fussstellung oder auf eine einzige Schlingerbewegung durch den ganzen Körper. Diese Ansätze werden dann kunsthandwerklich gekonnt verarbeitet. Schon aus Wiederholungen, Umkehrungen, Varianten und Weiterentwicklungen des Ausgangsmaterials gewinnt Aydin Teker eine Fülle von Bewegungen, die sie zusätzlich durch zeitliche Verschiebungen und räumliche Ausdehnungen weiterführt.

Erst in der letzten Szene werden die einzelnen Figuren gleichzeitig auf die Bühne gepracht, entsteht aus dem Neben- und lrieinander der diversen Bewegungsübungen so etwas wie eine Choreographie. Bevor diese aber wirklich komplex und spannend wird, ist dieVorstellung aus.

Es geht also nicht um ein fertiges Stück, sondern um Arbeitsprozesse. Dies zeigt sich auch im Einsatz der akustischen und optischen Elemente der Aufführung. Einige Szenen find.en in der Stille statt, andere werden durch rein repetitive Klänge und Rhythmen begleitet oder durch eine fortschreitende Komposition angeführt. (Musik: Ergül Özkutan und Nick Rothwell). Sparsam und gezielt werden Video und Film eingesetzt. Fast didaktisch wird der Unterschied in der Wirkung offensichtlich zuvor aufgezeichneter und live sich ereig-nender Abbildung gezeigt. «Density» richtet sich an Zuschauer, die gern kühl beobachten und Sinn für meis-terhaftes Kunsthandwerk haben.